Heinrich Landau

Der Saarbrücker Neonazi Heinrich Landau (1954) hat im Saarbrücker Distrikt Rußhütte ein Wiesengrundstück neben einem Waldpfad gepachtet. Im Sommer 2015 errichtet er vier Selbstschussanlagen aus Mausefallen und Rohren in Kniehöhe rund um einen Brennholzstapel. Eine dieser Sprengfallen wird im Mai 2017 von einem Spaziergänger über die über das Gelände gespannten Nylonfäden ausgelöst. Die Stichflamme der Ladung Leuchtmunition verletzt ihn dabei an der linken Kniekehle. Bei der späterem Durchsuchung werden Kriegsmunition und Waffenteilen sichergestellt, die Landau mit einem Metalldetektor gesucht hatte. Darunter Wurfgranaten, der Zünder einer Handgranate, drei Granaten und der Lauf eines Maschinengewehrs. Außerdem finden die Ermittler*innen eine Reichskriegsflagge und ein aus Verbundsteinen gesetztes Hakenkreuz auf der Terrasse des Grundstücks. Die Polizei ermittelt u.a. wegen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion.12

Landau gibt bei seiner Vernehmung an, keine Personen verletzen zu wollen, sondern sein Grundstück lediglich gegen Wildschweine und etwaige Holzdiebe gesichert zu haben.3 Am 8. November 2017 erhebt die Staatsanwaltschaft Saarbrücken Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz. Laut Anklage waren die von Landau aufgestellten Warnschilder nicht aussagekräftig genug, obwohl das Grundstück in der Nähe eines Trampelpfads liegt.4 Diese waren lediglich mit „Betreten verboten“ und „Vorsicht Knall“ beschriftet. Das Grundstück selbst ist nicht umzäunt.5 Für Prozess wird zunächst lediglich ein Verhandlungstag am 12. April 2018 anberaumt.6

Sein Strafverteidiger Michael Rehberg sieht angesichts der aufgestellten Warnschilder „keine Strafbarkeit wegen gefährlicher Körperverletzung“ . Er gibt an, der 64-Jährige sei „seit vielen Jahren Sammler von ehemaligem Kriegsmaterial und so Waffensachen“ und habe einen Teil davon auch auf Flohmärkten in Frankreich gekauft. Landau bekräftigt vor Gericht seinen Standpunkt, er habe mit der Selbstschussanlage lediglich Wildschweine von seinen Bambuspflanzen abhalten wollen. Der Prozess wird schließlich vertagt. Für den 23. April 2018 ist ein Ortstermin auf dem Gartengrundstück angesetzt.7

Den Behörden seien bis dato keine konkreten Kontakte in die rechtsextreme Szene bekannt.8 In der Berichterstattung der Deutschen Presse-Agentur werden Details seiner politischen Anschauung, etwa die gefundenen Nazidevotionalien, nicht thematisiert.

Im August und Dezember 2016 nimmt Landau jedoch in Saarbrücken und Malstatt an zwei Kundgebungen von Jacqueline Süßdorfs Bürgerinitiative „Bündnis Saar“ teil und trägt dort NPD-Banner. Sein Facebook-Profil ist gefüllt mit Bildern von NS-Reichsadlern, sein Profilfoto zeigt ihn in Bundeswehruniform mit einer „Hitler-Katze“ montiert auf der Schulter. Seine Facebook-Kontakte, darunter der Pirmasenser Richard Kreutzer, legen eine ähnliche Affinität zum Deutschen Kaiserreich, der Wehrmacht und dem NS-Regime an den Tag.


Bildquellen:

  1. facebook.com

Quellen:
  1. »Polizei ermittelt wegen Sprengfallen«, sr.de, Saarländischer Rundfunk, 29.05.2017 13:32 [^]
  2. Thomas Gerber, »64-Jähriger wegen Selbstschussanlage angeklagt«, sr.de, Saarländischer Rundfunk, 08.11.2017 13:01 [^]
  3. »Polizei ermittelt wegen Sprengfallen«, sr.de, Saarländischer Rundfunk, 29.05.2017 13:32 [^]
  4. Deutsche Presse-Agentur, »Waffennarr stellte Selbstschussanlage auf – Anklage«, saarbruecker-zeitung.de, Saarbrücker Zeitung, 08.11.2017 15:00 [^]
  5. »Waffennarr aus Saarbrücken wegen Selbstschussanlage heute vor Gericht«, sol.de, Saarland Online, 12.04.2018 09:49 [^]
  6. Deutsche Presse-Agentur, »Prozess: Mann stellte Selbstschussanlage im Garten auf«, saarbruecker-zeitung.de, Saarbrücker Zeitung, 12.04.2018 10:00 [^]
  7. Deutsche Presse-Agentur, »Prozess um Selbstschussanlage in Schrebergarten vertagt«, saarbruecker-zeitung.de, Saarbrücker Zeitung, 12.04.2018 11:08 [^]
  8. Thomas Gerber, »64-Jähriger wegen Selbstschussanlage angeklagt«, sr.de, Saarländischer Rundfunk, 08.11.2017 13:01 [^]

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